Portugals Abwärtsspirale

Portugal ist eines der am heftigsten von der Eurokrise erfassten Länder. Ähnlich wie in Griechenland und Spanien ist insbesondere die Jugend betroffen. So betrug die Jugendarbeitslosigkeit in Portugal diesen Oktober 30,4%,  wobei Frauen (32,3%) wesentlich stärker betroffen waren als Männer (28,8%). Damit ist die Jugendarbeitslosigkeit mehr als doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt im 3. Quartal (12,4%). Diese Horrorzahlen werden in der EU nur noch von der slowakischen Republik (31,3%), Griechenland (45,1%) und Spanien (48,9%) getoppt.

Die Zukunftsaussichten Portugals sind schlecht. Die strikte, dem Land auferzwungene Sparpolitik würgt die ohnehin fragile portugiesische Wirtschaft weiter ab, Portugal befindet sich in einer Rezession. Wen wundert es dann, dass die Schlangen vor den brasilianischen und angolanischen Konsulaten immer länger werden? Die ehemaligen Kolonien bieten jungen, gut ausgebildeten PortugiesInnen attraktive Zukunftsaussichten, was in Portugal Sorgen um einen Brain Drain auslöst. Dieser würde die wirtschaftliche Stabilisierung des Land es zusätzlich und nachhaltig gefährden.

Die Krise führt auch dazu, dass die konservative Regierung unter Druck der Troika ein umfassendes Privatisierungsprogramm fährt. Dabei sollen Teile der portugiesischen Energie- und Wasserversorgung sowie die portugiesische Luftlinie TAP verkauft werden.  Eine Interessentin ist dabei das deutsche Energieunternehmen Eon. Eon will im Rahmen ihrer geplanten strategischen Neuausrichtung zum Beispiel 21% von Energias de Portugal (EDP) übernehmen, welche sich durch einen hohen Angebotsanteil von regenerative Energien auszeichnet. Noch ist der Deal nicht bestätigt, aber gemäss Financial Times Deutschland soll die deutsche Bundesregierung beim Einfädeln geholfen haben. Um Portugal das Angebot Eons schmackhaft zu machen, soll die Schaffung von Stellen in Portugal Bestandteil des Angebots Eons sein. Dass Eon gleichzeitig bis 2015 weltweit 11’000 MitarbeiterInnen entlassen möchte, sollte der portugiesischen Regierung nicht allzuviel Hoffnung auf ein rheinländisches Jobwunder machen.

PS1: Für Portugiesischsprachige zum Abschluss noch ein stimmungsvoller Euronews-Beitrag  zur Lage Portugals.

PS2: Noch stimmungs-, da hoffnungsvoller, ist das Engagement der portugiesischen „Geração à rasca“, welche aktuell einen Audit-Prozess der Schulden durch die BürgerInnen in Gang setzen möchte, der klären soll, woher die Schulden stammen und was Portugal davon bezahlen kann/ soll/ will. Kommendes Wochenende in Lissabon geht’s los.

PS3: Interessanter Artikel im Guardian vom 22.12.2011 zur portugiesischen Einwanderungswelle in Brasilien.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: